Bis in die 60-er Jahre waren die Halden, Döbel und Hochflächen des Unteren Bregtales wichtig für den Lebensunterhalt der Bevölkerung. Sobald die Heidelbeeren, Preiselbeeren und Himbeeren reif waren durchstreifen ganze Familienverbände den Hallenberg, das Oberholz, den Pfarrwald und den Ross- Schmelz- und Wilddobel. Ausgestattet mit z’Nieni im Rucksäckle, Eimern, Milchkannen, Riffeln und Weidenkörben, schwärmte die grossen Familien aus, um an ihren Familien Claims die Früchte des Waldes zu ernten.
Oma, Gotte, d Maidle, d Mamme sammelten Schwarzbeer, Staibeer und Himbele in ihre Milchkännle und leerten die vollen Känntle bei der Mutter in die grossen Zinkeimer. De Sepple lieferte uuliedig immer nur ein halbes Känntle voll ab und wurde von Mutter gescholten mit der Ermahnung, dass er deshalb beim Vespern halt auch nur einen halben Landjäger bekäme. Der pfiffige Sepple hatte natürlich eine Idee. Er stopfte das Milchkännle zu 3/4 mit Moos aus und schüttete ab jetzt ein „gschochet“ volles Känntle in Mutters Eimer. Wegen des liebevollen Lobes der Mutter strahlte er vergnügt wie ein Putzeimer.
Der Lohn für diese gnitze Bescheisserei waren sogar zum Landjäger noch ein Wienerle. Von der lässlichen Sünde erfuhr bei der Probebeichte vor Sepples Erstkommunion nur der Pfarrer. Und der erzählte es ganz bestimmt nicht seinen auch sammelfaulen Kamerädle. Dafür sorgte auch Nepomuk, der Patron des Beichtgeheimnisses.
Sepples gut gehütetes Geheimnis „verhebte“ so noch viele, viele erfolgreichen Beerensammeljahre.
© Hubert Mauz, Feb. 2025