Warum verhalf die Wolterdinger Vielheit nicht zu viel größerem Erfolg der Gemeinde? Wir sind halt doch noch keine Schwarzwälder, wir sind eben Baarschwarzwälder.
Beim grossen Symposion des Baarvereins über den Bauernkrieg vor 500 Jahren in Bacheim war die gesamte Historikerelite der Region als Referenten anwesend. Dr. Wolfgang Heitner ging zum Schluss auch auf das Erb- und Fahlrecht im Schwarzwald ein. Und da bestätigte sich eine lang gehegte Vermutung, die sich aus dem neu entdeckten Urbar, der überdimensionalen Grundkarte von Wolterdingen, anschaulich ergab. Bei dem anschließenden Gespräch mit dem kompetenten Referenten klärte sich der Zusammenhang und die vermutliche Ursache auf.
Die neue Wortschöpfung Vielheit ist ein Art Markenzeichen des 1250 jährigen Wolterdingen im Unteren Bregtal. Denn kein anderes Gemeinwesen auf der Baar hat soviel Gewerbe und natürliche Ressourcen zur Verfügung, modern ausgedrückt „im Portfolio“, wie Wolterdingen.
Diese Frage beschäftigt einem seit langem: Warum wurde Wolterdingen nicht noch erfolgreicher als es schon ist? Die Möglichkeiten die sich schon immer ergaben aus Waldbau, Steinbruchwesen, Wasserkraft, Glasherstellung, Metallbearbeitung, Ziegelei, Holzverarbeitung, Fuhrwesen, Mahlmühlen, Sägewerken und Bahnwesen wären gute Voraussetzungen für noch mehr Entwicklung gewesen. Wenn da nur nicht am Fischerhof in Bregenbach eine unsichtbare, ideelle Grenze gewesen wäre. Die heisst Anerberecht oder Minoratsrecht versus Realteilungsrecht. In besagter opulenter, detailgetreuer Grundkarte von 1795 kann man nämlich ablesen, wie die hier praktizierte Realteilung keine grossen Besitztümer aufkommen ließ. Wie in einem alten, zerfurchten Gesicht erkennt man die Zerstückelung, Zerstückelung der Grundstücke und Besitztümer, die unter allen Erben gleichmäßig aufgeteilt wurden.
Wer kennt ihn nicht, den „Grossväterlesstriit“. Schon der alte Krupp hatte die geheime Losung: „Neid, Habgier und Missgunst sollen eure Götter sein“. Und das führte eventuell dazu, dass bis zum Bregtalbahnbau keine ganz grossen, nachhaltigen „Marktführer“ aufkamen.
Kommentare dazu wären anregend.
©Hubert Mauz, Wolterdingen Juli 2025