Verblüffend viele Redewendungen verbinden sich mit der grossen Vielfalt der Wolterdinger Gewerbe Geschichte. Das Wort vom „Kohle machen“ ist in der modernen, digitalen Welt in aller Munde. Den wenigsten dürfte es bewusst sein woher der Spruch kommt.
Vor paar Jahren überraschte eine LIDAR Aufnahme den geschichtlich interessierten Bregtäler. Durch diese Präzise Satelitenaufnahme bei der der Bewuchs „weggerechnet“ wird, erkennt man geringste, meist antropogen verursachte, Bodenunebenheiten. In einem sonst noch nie vorgekommen Umfang lokalisiert das Denkmalamt unter Dr. Oliver Nelle Sage und schreibe 500 Köhlplätze im Unteren Bregtal zwischen Wolterdingen und Hammereisenbach. 40 pro Hektar oder alle 200 Meter eine Köhler-Platte. Von den Namen Kohlwald und Schwarzer Bube wusste man, dass da Köhler waren. Aber dass da soviel „Kohle gemacht wurde“, das überraschte selbst die Kenner. Es ist die bisher grösste Kohlplatzdichte im Südwesten.
Wohin ging die fertige Holzkohle und wohin flloss der Erlös, der Ertrag der Köhler?
Machen wir zunächst wieder die kurze Bierdeckelrechnung: 500 Kohlenmeiler benötigen 30 Festmeter trockene, gespaltene Holzscheite. Die werden „trocken destilliert“ zu 6 to fast reinem Kohlenstoff. Der Brennwert dieser 30 to Frischholz bleibt fast vollständig erhalten, aber das Frischholzgewicht wird auf nur noch 20 Gewichtsprozent reduziert. Also muss man nur den fünften Teil des Holzgewichtes mit Krätzen und Strohgeflecht-Kohlensäcken und Karren aus dem unwegsamen, weglosen Wald ohne Verlust an Energiegehalt tragen. Oder, viel zu wenig beachtet, von Tragtieren tragen lassen. (Diese 500 Meiler haben also schon bei einmaliger Nutzung beachtliche 3.000 to Holzkohle ergeben). Bei Mehrfach Nutzung der Kohlplatten entsprechend mehr. Das ist der erste Grund weshalb die Waldbesitzer das Köhlern mochten. Nur so war der Wald wirtschaftlich sinnvoll verwertbar. Denn die Köhler mussten Pacht, den Zehnten zahlen. Der zweite Grund war, dass die Eisenhütten Hammereisenbach, Bachzimmern, Immendingen und Eberfingen Unmengen Holzkohle brauchten, um ihr Erz zu verhütten. Die Glashütten Bubenbach, Herzogenweiler und Wolterdingen brauchten auch Holzkohle um ihr Quarz zu einer Glasfritte zu schmelzen. Die Dorfschmiede brauchten ständig Holzkohle und die Haushalte für Bügeleisen und anhaltende Nachtheizung auch. Erst recht die oft kaminlosen Bürger- und Adelshäuser, Kirchen, Klöster und Amtstuben wurden mit der fast rauchfreien gut gebrannten Holzkohle der Schwarzen Buben temperiert. Von heizen konnte eigentlich nicht die Rede sein.
Ein ergiebiger, ziemlich krisendicherer Markt, die schwarze Kunst der Köhlerei. Und ein bedeutendes Gewerbe, denn jeder 25. Mitteleuropäer heisst Köhler oder hat einen artverwandten Namen.
4-5 Kohlenmeiler Brände oder besser gesagt Destillate schaffte eine Köhlersippen vom Frühjahr bis in den Spätherbst. Fünfmal gab’s also Zahltag. Und wie es halt so mit den legendären Zahltagen an den Freitagabenden war, in unserem Fall alle 6 Wochen, wurde ein Teil gleich versoffen. Die Köhler vom Hallenberg vollzogen das im legendären, kultigen „Schwarzen Buben“ im Zindelstein. Dorthin zogen sie, auch wenn ihnen wiedermal durch Unachtsamkeit ein Meiler ausbrannte. Dann Gnade Gott der Nachtwache, die das wiedermal verpennt hatte. Jeder 10. Mailer soll sich so pulverisiert, verascht haben. 10 Wochen harte Arbeit vom Holzfällen, Holzzusägen, Holzspalten, Holzaufsetzen, Mailer bauen und Mailer brennen war im wahrsten Sinne Asche. Das gab dann Anlass für ein fürchterliches Sondergelage im Schwarzen Buben. Davor hat man aus Frust schon mal das Destilat aus der Köhlerpfeife zur Einstimmung, hoffentlich verdünnt, gewürfelt. So waren sie halt, die robusten Schwarzen Buben vom Hallenberg.
©Hubert Mauz, August 2025©